Nicht dass ich Sie in den letzten Tagen,
verehrtester Theaterdirektor Buurmann,
vergessen hätte...
... nein, ich bin Ihnen als meinem Widerpart und da Sie oft genug diese zweite Seele in meiner Brust sind (die Faust lieber nicht kennenlernen wollte) ständig zugeneigt, es ist also lediglich die Frage, wann diese meine Zuneigung Ausdruck findet. Dieser Ausdruck aber nun (damit Sie, aufgrund meines gerade abgelegten Geständnisses hinsichtlich der Zuneigung und Alterität, die Sie mir tatsächlich bedeuten, den Mund wieder zubekommen), dieser Ausdruck nun als eine schriftliche Einlassung meinerseits auf Ihr Walten und Schalten und die verzweifelten Bemühungen, dieses Tun zu rechtfertigen, dieser Ausdruck also meines Einlassens auf Ihr Werk(eln) begnügt sich nicht in apologetischem Beifallsgeklatsche – was Ihnen, so weit kenne ich Sie ja jetzt gut genug, sicherlich viel lieber wäre: sich sonnen im Applaus von Verehrern und Groupies, die ihre Hingabe zum Nachteil ihres Verstandes vergessen, verloren oder aufgegeben haben. Nein, meine Zuneigung, mein Einlassen, Theaterdirektor Buurmann, ist in seinem Ausdruck immer die oder das des Freundes, des Mentors, in der Absicht, zu verbessern, zu helfen, zu bereichern.
Nun müssen wir uns also der Hermeneutik annehmen, um im Sinne des seligen Aristotelis die Begriffsverwirrrung zuungunsten einer allgemeinen Kommunikation nicht weiterhin walten zu lassen. Ich, werfen Sie, Theaterdirektor Buurmann, mir also vor, flüchte in die Hermeneutik, wenn ich Ihnen das Wort Täter als im Sinne unseres heutigen Verständnisses falsch benutzten Begriff vorwerfe, als ein Bezeichnendes, das sich Ihren Implikationen nicht beugen will. Theaterdirektor Buurmann: Nein, nicht der Hermeneutiker erhebt hier Einspruch, ich wollte Ihnen keinen Text interpretieren oder Sie in die Lehre der Exegese einführen, lediglich den Bedeutungswandel des Wortes Täter wollte ich Ihnen deutlich machen und fühlte mich so in der Position des Linguisten. Sie aber beharren auf „Hermeneutiker“, wenn Sie mir, mit der mir unterstellten Hetze und in mir einen Hetzer im Sinne eines beleidigenden und diffamierenden sprachlichen Akts sehend, einen reinzuwürgen gedachten und mich gegen einen Flaneur (vs. Hetzer) auszuspielen suchend. Durch Ihre Begriffsverwirrungen nun flanierend – und darüber hinaus dem Flanieren überhaupt zugeneigt: den Blumen am Wegesrand also! Eine schöne Metapher!, ja, Buurmann, Sie kennen ja doch meine Leidenschaften!) –, Ihre Begriffe also in Muße ordnend, muss ich Ihnen sagen, dass dergleichen anhängende Bedeutungen nicht statisch sind, dass Bedeutungen sich also verändern: im pejorativen Sinne wurde die Dirne so zur Nutte, und im Gegenzug kann heute jedes Mädchen etwas geil finden ohne dass Eltern oder das Jugendamt sich genötigt fühlen müssen, einzuschreiten. Für diesen Bedeutungswandel braucht es nun aber auch keine basisdemokratische Abstimmung, wie Sie sie wähnen, es braucht kein „Treffen zwischen den Sprach-Göttern und den Menschen (…), an dem die diese Interpretation für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt wurde“. Theaterdirektor Buurmann: Sprache verändert sich, Neues schleicht sich ein, wird benutzt, übernommen und ist irgendwann einmal das signifikant Gebräuchliche – so ist das mit dem Täter, der nach dem Volksmund immer der Gärtner ist und der ist meines Wissens nach immer der Mörder, also ergibt sich logisch: Täter = Mörder, im Namen von vox populi, die sich nie getroffen haben.
Sie, Theaterdirektor Buurmann, wollen das für ihre Freiheit kämpfende Volk der Juden zu Tätern machen, und ja, ich bin einverstanden mit all Ihren Ausführungen, ich bin mit Ihnen Semit, Zionist und Ihr Schüler in diesem historisch-politischen Diskurs, ich bin ganz auf Ihrer Seite: wenn Sie die von Ihnen benutzten Begriffe in Sinne Ihres Verständnisses, sollte sich dieses mit dem üblichen auch nicht decken, zuförderst nämlich klären und in Ihrem Sinne explizieren. Wenn Sie mir also erklären, dass ein Täter für Sie nicht das ist, was die Masse darunter versteht, dann kann ich Ihnen folgen, Sie können dann sogar einen Tisch einen Stuhl nennen und umgekehrt, wenn Sie mir gesagt haben, was Sie zum Sitzen und was zum Essen benötigen. Und froh bin ich auch um Ihren philosophischen Exkurs zum Thema Tat: „Jede Tat bringt Neues hervor, (…), aber jede Tat vernichtet auch. Mit jeder Tat vernichten wir die Unendlichkeit der Möglichkeiten.“ Theaterdirektor Buurmann, ich hatte Ihnen den Wallenstein zitiert, den guten Faust – ja, die Gefahr der Tat: ich habe sie nie geleugnet und ist sie dem Täter so warnend wie auf seine implizit kriminelle Energie hin zuzusprechen, muss sie natürlich auch dem Handelnden, aber in einem weit tieferen philosophischen Sinn, zu bedenken gegeben werden.
Verehrter Theaterdirektor Buurmann, ein Deutscher zu sein haben Sie mir dann noch vorgeworfen und ich soll das auch noch in einem typischen Sinn sein. Nun sind Sie aber doch der, der da holterdiepolter hetzt und des Wortes Doppelbedeutung erfüllt, Sie Hetzer! Gut, Sie haben sich bereits an die eigene Nase gefasst und reuig gestanden, dumm gewesen zu sein, ein blöder Hetzer. Aber wie kamen Sie nur darauf, dass ich ein typischer Deutscher sei? Ich habe keine Fahnen durch das deutsche Sommermärchen geschwennkt, ich habe den schwarz-rot-gelben Fahnenschmuck für mein Fenstersims und auch das Fähnchen für das Auto abgelehnt – ich wäre ein ebenso schlechter Fahnenausstatter für das ARD-Fernsehstudio gewesen: ob Rot-Schwarz-Gelb oder Gelb-Schwarz-Rot – das Junge Deutschland vergebe mir, meinetwegen auch das Vaterland in dem ich meine Muttersprache spreche, liegt meine Fahnenaversion doch eher darin begründet, dass der Fahnen(miss)brauch des typisch Deutschen mit der Fußballleidenschaft so hochgradig korreliert! Ich finde auf dem Fußballplatz keine Leidenschaften, nicht in den Rängen und schon gar nicht in Südkurven, ich sehe nur Pöbel und die Verzweifelten, die sich an Poldis und Schweinis Trikotzipfel hängen, weil die Deprivation sie sonst in die Einsamkeit stoßen und vernichten würde – der Fan des prosaischen Fußballs ist eigentlich also der des sprichwörtlichen Strohhalms ...
Aus dem Niederungen der Peinlichkeiten wollten Sie sich mit Ihrer Entschuldigung gegen den Vorwurf, dass ich ein typischer Deutscher sei, und einen Kotau versuchend retten, ich will Ihnen, Theaterdirektor Buurmann, dazu die Hand reichen und will Sie zudem vor einem Harakiri bewahren, weil Sie in sich eine Affinität zum Biedermeier entdeckt haben, Sie also fühlten sich in diesem innenarchitektonischen Ambiente selbstbewusster Bürgerlichkeit aus dem Anfang des 19.Jahrhunderts am wohlsten? Sie fanden das dann (selbstkritisch wie selten) spießig? Sie beziehen sich in Ihrer Selbstkritik, Theaterdirektor Buurmann, also auf die pejorative Bedeutung des Biedermeiers aus den „Fliegenden Blättern“ der 1850er Jahren, auf den „Gedichten des Gottlieb Biedermaier“? Und Sie bekamen aus Rührung über ihr kleinbürgerliches Faibel gar feuchte Augen? Theaterdirektor Buurmann – da sind wir ja wieder bei den Tätern oder der Hetze: Ja, der Biedermann ist in Verruf gekommen und zum Simpel mutiert, zum Einfaltspinsel, in der Zeit aber da dieses bürgerliche Wohndekor aufkam, das später dann erst Biedermeier genannt wurde, war es das revolutionärer Aufbegehren gegen den Adel, dem eine eigene dem aufstrebenden Bürgertum angemessene Wohnkultur entgegengesetzt werden sollte. – Theaterdirektor Buurmann, ich unterstelle Ihnen mal, dass Sie angesichts Ihrer revolutionären Wurzeln feuchte Augen bekommen haben! Pflegen Sie doch dieses nostalgische Gefühl und lassen sie es mit Tränen gewässert wieder aufleben, aber lassen Sie die Tränen nicht den Verlust bedeuten und das Wissen, dass Sie jeden revolutionären Willen verloren haben. Und sind Sie ein Bürger, empfehle ich Ihnen, die Problematik zwischen diesem und dem Künstler bei Thomas Mann nachzulesen – ja, im „Tonio Kröger“ natürlich.
Die Problematik der Tat, um darauf noch einmal zurückzukommen, aber ist ja Ihr Thema in dem bislang beklagten Sand-Stück von den Gehirnen. Und ob da nun Ihr Praeputium vorkommt oder das eines anderen, ob Sie eines haben oder nicht: Theaterdirektor Buurmann, gehen Sie mir mit solchen Marginalien nicht auf das Skrotum – auf die Tat oder den Täter Ihres Stückes aber komme ich gern noch einmal zurück.
Bis dahin dann,
Ihr Ihnen immer hilfreich zur Seite stehender
Kriminalautor Schmiester
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Mittwoch, 13. August 2008
Montag, 28. Juli 2008
Von Tätern und Opfern - Ein Widerwort
Wenn alle Stricke reißen,
Herr Kriminalautor Schmiester,
flüchten wir in die Hermeneutik.
Gerne möchte ich Ihnen folgen, ein paar Schritte in die Hermeneutik zu wagen, auch wenn ich befürchte, mit Ihrem Tempo nicht Schritt halten zu können. Zügeln Sie Ihre Geschwindigkeit also etwas, Sie werden merken, dass es am Straßenrand manch schöne Blume gibt, an die Sie sonst vorbei hasten. Es entgehen einem so viele schöne Kleinigkeiten, wenn man immer nur ein Ziel vor Augen hat und darüber ganz den Weg vergisst. Ich habe Sie immer für einen Flaneur gehalten, für einen Menschen der schlendert, genießt und schweigt. Leider muss ich feststellen, dass aller romantischen Überhöhung zum Trotz, Sie doch nichts weiter tun als hetzen. (Das Wort „hetzen“ ist an dieser Stelle von mir bewusst ob seiner Mehrdeutigkeit gewählt worden. Interpretatoren aller Länder vereinigt Euch!)
Also, Herr Kriminalautor Schmiester, lassen Sie uns ein wenig durch das Wort „Täter“ flanieren. Es fällt sofort auf, dass Sie dem Wort „Täter“ direkt eine Bedeutung zukommen lassen, die dazu angetan ist, das Wort auf nur einen Aspekt zu reduzieren. Sie behaupten, das Wort korreliere mit einem ungesetzlichen, verbrecherischen Tun. Wie sie dazu kommen, erklären Sie nicht. Stattdessen behaupten Sie im gewohnt selbstherrlichen Brustton der Überzeugung, diese Bedeutung sei in sprachlicher Übereinkunft entstanden, ganz so, als habe es irgendwann ein Treffen zwischen den Sprach-Göttern und den Menschen gegeben, an dem die diese Interpretation für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt wurde. Nun, an diesem denkwürdigen Tag der Entscheidung muss ich wohl nicht am Sinai, sondern am Strand gelegen haben.
Ihre Beschreibung definiert mitnichten das Wort „Täter“, sondern den Begriff „Täter einer Straftat“. Warum Sie das Wort „Täter“ mit einer Straftat assoziieren, könnte ich nun psychoanalytisch erklären, aber solange Sie mir aber kein Therapeutengehalt zahlen, möchte ich mir die Arbeit einer Analyse lieber nicht machen. Stattdessen möchte ich darauf hinweisen, dass Ihre Reduzierung lediglich beweist, dass Sie nicht Willens sind, zu Ihren eigenen Taten zu stehen. Wie alle Menschen, die über die Konsequenzen ihrer Taten hinwegtäuschen möchten, bedienen Sie sich des Wortes „Macher“. Hier zeigt sich Ihre wahre neoliberale Gesinnung.
Mit dem Wort „Macher“ nämlich, Herr Kriminalautor Schmiester, wiegen Sie sich in dem trügerischen Schein, es gäbe Taten, die nur schaffen, aber nicht nichten. So einfach ist aber leider nicht. Jede Tat bringt Neues hervor, da haben Sie Recht, aber jede Tat vernichtet auch. Mit jeder Tat vernichten wir die Unendlichkeit der Möglichkeiten. Statt also zu behaupten, eine Tat sei immer noch schöpferisch, sollten Sie lieber darüber nachdenken, welche Möglichkeiten Ihre Tat für alle Zeit vernichtet. Das ist die Verantwortung zur Tat, die ich meine.
Diese Verantwortung zur Tat geht Ihnen, verehrter Herr Kriminalautor, mal wieder völlig ab. Anders ist es nicht zu erklären, dass Sie aus meiner Opferanalyse ernsthaft herauszulesen glauben, ich würde damit „die rechtlos Hingerichteten, die der brutalen Macht Unterlegenen, die Opfer der Kriege und auch der Gaskammern in Auschwitz“ verunglimpfen. Zu einem solchen Resultat kann nur ein Mensch kommen, der lieber richtet als versteht. Die Rolle des Richters lasse ich Ihnen jedoch gerne angedeihen. Ich werde, um im Bild zu bleiben, dann wohl den Anwalt spielen.
Mit meiner Opferanalyse weise ich auf die Tatsache hin, dass es im Grunde zwei verschiedene Opfertypen gibt. Zunächst sind da jene Menschen, die zu Opfern gemacht werden. Das sind jene Menschen, die eigentlich keine Opfer sein wollen, denen das Selbstbestimmungrecht aber genommen wird. Dann gibt es jene Menschen, die sich selbst zum Opfer machen, um daraus Ihr Handeln zu begründen. Auf eben jenen Opfertypus habe ich mich bezogen, da eben jene Gruppe bereitwillig Opfer ist. Auf die andere Gruppe habe ich mich nicht bezogen, schon allein deswegen nicht, weil ich ihr Selbstbestimmungsrecht achte, denn sie wollen ja eben keine Opfer sein, sondern werden dazu gemacht.
Lassen Sie mich ein historischen Beispiel nehmen. Im Zionismus wohnt die Überzeugung, dass es nicht angehen kann, dass das Judentum ständig zum Opfer gemacht wird. Mit der Verwirklichung eines israelischen Staates haben die Zionistinnen und Zionisten endlich den Fluch der Opferrolle abgeschüttelt. Dass diese Entwicklung zwangsläufig Probleme hervorrufen musste, war von Anfang an klar. Die nicht-jüdische Welt hatte sich halt an Juden und Jüdinnen als Opfer gewöhnt. Solange sie brav den Tod durch ihre Feinde in Kauf nahmen, waren sie ein beliebtes Thema bei den Gutmenschen und ein dankbares Opfer der Antisemiten. Doch von dem Tag an, da sie es wagten, sich zu verteidigen, da Sie es wagten, zur Tat zu schreiten, begann das Lamento. Die Juden und Jüdinnen wurden zu Tätern. Aber natürlich nur zu Tätern in Ihrer Definition von Tat, Herr Kriminalautor Schmiester. Statt nach Gründen für die einzelnen Taten zu suchen, statt zu erkennen, dass gerade in Israel jede Tat der Regierung heiß und kontrovers diskutiert und kritisiert wird, wird hinter jeder Tat der israelischen Bevölkerung direkt eine Straftat vermutet. Die UN kommt ja gar nicht mehr nach mit Resolutionen, die gegen dieses kleine Land verhängt werden. Aber es musste wohl so kommen, denn wer Jahre lang mit dem Bild der Brunnenvergifter und Kindermörder groß geworden ist, kann sich nun mal an eine andere Bedeutung des Wortes „Täter“ in Verbindung mit Juden nicht gewöhnen.
Sie sind in dieser Hinsicht leider auch ein typischer Deutscher, Herr Kriminalautor Schmiester. Sie gehören einer Nation an, die Auschwitz zu verantworten hat, da rutscht das Wort nolens volens in eine negative Ecke. Aber ein Volk, das Wüsten bewohnbar macht und die Idee der Demokratie in eine Welt trägt, wo die Freiheit des Individuums noch nicht geachtet wird, hat selbstverständlicher Weise einen besseren Begriff von „Täter“.
Jetzt, wo ich das Wort „Täter“ erneut und vor allem in Verbindung mit Erez Israel benutzt habe, Ihnen quasi eine Steilvorlage für Beleidigungen und Missverständnisse gegeben habe, können Sie sich erneut entscheiden, ob Sie mich wieder nur richten wollen, oder sich endlich mal ans Verstehen wagen möchten. Ich hoffe, Sie mögen Sich auf das Verstehen konzentrieren.
PS: Den Film „Das Schweigen“ von Ingmar Bergman haben Sie leider wohl auch nicht ganz verstanden. Denn gerade dieser Film behandelt die Konsequenzen einer ganz besonderen Tat. Im Bewusstsein Ihres nahen Todes hat eine schwerkranke Frau im Einverständnis mit ihrer Schwester beschlossen, das eigene Neugeborene als Kind der gesunden Schwester auszugeben. Diese Tat wird im Film nie direkt angesprochen, sondern immer nur angedeutet. Dennoch zeigt der Film die Grausamkeit dieser Tat in Anbetracht der Tatsache, dass das Kind mittlerweile einige Jahre alt, die leibliche Mutter aber immer noch am Leben ist. In erschütternden Bildern zeigt der Film, wie es sich mit einer solchen Tat leben, oder besser eben nicht leben lässt. Dies ist jedoch nur ein winziger Aspekt des Filmes und Bergman wäre nicht Ingmar, wenn es da nicht noch viel mehr zu sehen gäbe. Dass Ihnen allerdings dieser Aspekt nicht aufgefallen zu sein scheint, kann ich nur mit Ihrem sehr einseitigen Verständnis des Wortes „Täter“ erklären.
PPS: Ob Sie mir ein Praeputium zutrauen ist mir gelinde gesagt schmockegal, aber wiederum haben Sie etwas falsch verstanden, im Stück hat die Figur des Christian ein Praeputium. Mein Penis ist nicht Thema des Stückes - auch wenn es Sie enttäuscht. Wenn Sie jedoch wollen, kann ich ja irgendwann mal ein schönes Stück über mein Geschlechtsteil schreiben. Ein solches Stück werden dann aber nur Sie zu lesen bekommen, quasi als Geschenk für dieses anregende Streitgespräch.
Buurmann,
Theaterdirektor
Herr Kriminalautor Schmiester,
flüchten wir in die Hermeneutik.
Gerne möchte ich Ihnen folgen, ein paar Schritte in die Hermeneutik zu wagen, auch wenn ich befürchte, mit Ihrem Tempo nicht Schritt halten zu können. Zügeln Sie Ihre Geschwindigkeit also etwas, Sie werden merken, dass es am Straßenrand manch schöne Blume gibt, an die Sie sonst vorbei hasten. Es entgehen einem so viele schöne Kleinigkeiten, wenn man immer nur ein Ziel vor Augen hat und darüber ganz den Weg vergisst. Ich habe Sie immer für einen Flaneur gehalten, für einen Menschen der schlendert, genießt und schweigt. Leider muss ich feststellen, dass aller romantischen Überhöhung zum Trotz, Sie doch nichts weiter tun als hetzen. (Das Wort „hetzen“ ist an dieser Stelle von mir bewusst ob seiner Mehrdeutigkeit gewählt worden. Interpretatoren aller Länder vereinigt Euch!)
Also, Herr Kriminalautor Schmiester, lassen Sie uns ein wenig durch das Wort „Täter“ flanieren. Es fällt sofort auf, dass Sie dem Wort „Täter“ direkt eine Bedeutung zukommen lassen, die dazu angetan ist, das Wort auf nur einen Aspekt zu reduzieren. Sie behaupten, das Wort korreliere mit einem ungesetzlichen, verbrecherischen Tun. Wie sie dazu kommen, erklären Sie nicht. Stattdessen behaupten Sie im gewohnt selbstherrlichen Brustton der Überzeugung, diese Bedeutung sei in sprachlicher Übereinkunft entstanden, ganz so, als habe es irgendwann ein Treffen zwischen den Sprach-Göttern und den Menschen gegeben, an dem die diese Interpretation für alle Ewigkeit in Stein gemeißelt wurde. Nun, an diesem denkwürdigen Tag der Entscheidung muss ich wohl nicht am Sinai, sondern am Strand gelegen haben.
Ihre Beschreibung definiert mitnichten das Wort „Täter“, sondern den Begriff „Täter einer Straftat“. Warum Sie das Wort „Täter“ mit einer Straftat assoziieren, könnte ich nun psychoanalytisch erklären, aber solange Sie mir aber kein Therapeutengehalt zahlen, möchte ich mir die Arbeit einer Analyse lieber nicht machen. Stattdessen möchte ich darauf hinweisen, dass Ihre Reduzierung lediglich beweist, dass Sie nicht Willens sind, zu Ihren eigenen Taten zu stehen. Wie alle Menschen, die über die Konsequenzen ihrer Taten hinwegtäuschen möchten, bedienen Sie sich des Wortes „Macher“. Hier zeigt sich Ihre wahre neoliberale Gesinnung.
Mit dem Wort „Macher“ nämlich, Herr Kriminalautor Schmiester, wiegen Sie sich in dem trügerischen Schein, es gäbe Taten, die nur schaffen, aber nicht nichten. So einfach ist aber leider nicht. Jede Tat bringt Neues hervor, da haben Sie Recht, aber jede Tat vernichtet auch. Mit jeder Tat vernichten wir die Unendlichkeit der Möglichkeiten. Statt also zu behaupten, eine Tat sei immer noch schöpferisch, sollten Sie lieber darüber nachdenken, welche Möglichkeiten Ihre Tat für alle Zeit vernichtet. Das ist die Verantwortung zur Tat, die ich meine.
Diese Verantwortung zur Tat geht Ihnen, verehrter Herr Kriminalautor, mal wieder völlig ab. Anders ist es nicht zu erklären, dass Sie aus meiner Opferanalyse ernsthaft herauszulesen glauben, ich würde damit „die rechtlos Hingerichteten, die der brutalen Macht Unterlegenen, die Opfer der Kriege und auch der Gaskammern in Auschwitz“ verunglimpfen. Zu einem solchen Resultat kann nur ein Mensch kommen, der lieber richtet als versteht. Die Rolle des Richters lasse ich Ihnen jedoch gerne angedeihen. Ich werde, um im Bild zu bleiben, dann wohl den Anwalt spielen.
Mit meiner Opferanalyse weise ich auf die Tatsache hin, dass es im Grunde zwei verschiedene Opfertypen gibt. Zunächst sind da jene Menschen, die zu Opfern gemacht werden. Das sind jene Menschen, die eigentlich keine Opfer sein wollen, denen das Selbstbestimmungrecht aber genommen wird. Dann gibt es jene Menschen, die sich selbst zum Opfer machen, um daraus Ihr Handeln zu begründen. Auf eben jenen Opfertypus habe ich mich bezogen, da eben jene Gruppe bereitwillig Opfer ist. Auf die andere Gruppe habe ich mich nicht bezogen, schon allein deswegen nicht, weil ich ihr Selbstbestimmungsrecht achte, denn sie wollen ja eben keine Opfer sein, sondern werden dazu gemacht.
Lassen Sie mich ein historischen Beispiel nehmen. Im Zionismus wohnt die Überzeugung, dass es nicht angehen kann, dass das Judentum ständig zum Opfer gemacht wird. Mit der Verwirklichung eines israelischen Staates haben die Zionistinnen und Zionisten endlich den Fluch der Opferrolle abgeschüttelt. Dass diese Entwicklung zwangsläufig Probleme hervorrufen musste, war von Anfang an klar. Die nicht-jüdische Welt hatte sich halt an Juden und Jüdinnen als Opfer gewöhnt. Solange sie brav den Tod durch ihre Feinde in Kauf nahmen, waren sie ein beliebtes Thema bei den Gutmenschen und ein dankbares Opfer der Antisemiten. Doch von dem Tag an, da sie es wagten, sich zu verteidigen, da Sie es wagten, zur Tat zu schreiten, begann das Lamento. Die Juden und Jüdinnen wurden zu Tätern. Aber natürlich nur zu Tätern in Ihrer Definition von Tat, Herr Kriminalautor Schmiester. Statt nach Gründen für die einzelnen Taten zu suchen, statt zu erkennen, dass gerade in Israel jede Tat der Regierung heiß und kontrovers diskutiert und kritisiert wird, wird hinter jeder Tat der israelischen Bevölkerung direkt eine Straftat vermutet. Die UN kommt ja gar nicht mehr nach mit Resolutionen, die gegen dieses kleine Land verhängt werden. Aber es musste wohl so kommen, denn wer Jahre lang mit dem Bild der Brunnenvergifter und Kindermörder groß geworden ist, kann sich nun mal an eine andere Bedeutung des Wortes „Täter“ in Verbindung mit Juden nicht gewöhnen.
Sie sind in dieser Hinsicht leider auch ein typischer Deutscher, Herr Kriminalautor Schmiester. Sie gehören einer Nation an, die Auschwitz zu verantworten hat, da rutscht das Wort nolens volens in eine negative Ecke. Aber ein Volk, das Wüsten bewohnbar macht und die Idee der Demokratie in eine Welt trägt, wo die Freiheit des Individuums noch nicht geachtet wird, hat selbstverständlicher Weise einen besseren Begriff von „Täter“.
Jetzt, wo ich das Wort „Täter“ erneut und vor allem in Verbindung mit Erez Israel benutzt habe, Ihnen quasi eine Steilvorlage für Beleidigungen und Missverständnisse gegeben habe, können Sie sich erneut entscheiden, ob Sie mich wieder nur richten wollen, oder sich endlich mal ans Verstehen wagen möchten. Ich hoffe, Sie mögen Sich auf das Verstehen konzentrieren.
PS: Den Film „Das Schweigen“ von Ingmar Bergman haben Sie leider wohl auch nicht ganz verstanden. Denn gerade dieser Film behandelt die Konsequenzen einer ganz besonderen Tat. Im Bewusstsein Ihres nahen Todes hat eine schwerkranke Frau im Einverständnis mit ihrer Schwester beschlossen, das eigene Neugeborene als Kind der gesunden Schwester auszugeben. Diese Tat wird im Film nie direkt angesprochen, sondern immer nur angedeutet. Dennoch zeigt der Film die Grausamkeit dieser Tat in Anbetracht der Tatsache, dass das Kind mittlerweile einige Jahre alt, die leibliche Mutter aber immer noch am Leben ist. In erschütternden Bildern zeigt der Film, wie es sich mit einer solchen Tat leben, oder besser eben nicht leben lässt. Dies ist jedoch nur ein winziger Aspekt des Filmes und Bergman wäre nicht Ingmar, wenn es da nicht noch viel mehr zu sehen gäbe. Dass Ihnen allerdings dieser Aspekt nicht aufgefallen zu sein scheint, kann ich nur mit Ihrem sehr einseitigen Verständnis des Wortes „Täter“ erklären.
PPS: Ob Sie mir ein Praeputium zutrauen ist mir gelinde gesagt schmockegal, aber wiederum haben Sie etwas falsch verstanden, im Stück hat die Figur des Christian ein Praeputium. Mein Penis ist nicht Thema des Stückes - auch wenn es Sie enttäuscht. Wenn Sie jedoch wollen, kann ich ja irgendwann mal ein schönes Stück über mein Geschlechtsteil schreiben. Ein solches Stück werden dann aber nur Sie zu lesen bekommen, quasi als Geschenk für dieses anregende Streitgespräch.
Buurmann,
Theaterdirektor
Von Tätern und Opfer
Schweigen,
ach ja, Theaterdirektor Buurmann,
Schweigen (übrigens ein hochinteressanter Film von einem Ihnen wohl nicht bekannten Ingmar Bergman in einer Ihnen sicherlich fremden, also fernen Thematik und Ästhetik), das Schweigen also (Ihnen offensichtlich nur in dem abgedroschenen Hamlet-Zitat geläufig) wäre eine Tugend gewesen, zu der Sie sich längst schon, in Andacht und Verehrung, in Staunen und Ehrfurcht, meinen wenn auch noch so kritischen und gelegentlich mit Aplomb formulierten Zuwendungen gegenüber hätten hinreißen lassen sollen. „Si tacuisses“, heißt es ja, und ich will es Ihnen (sind Sie nach eigenem Eingeständnis doch höchstens einiger Brocken des Arabischen mächtig), auf gut Deutsch wiedergeben: „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ – Nein, Theaterdirektor Buurmann, lächeln sie jetzt nicht, es wäre mir nicht ein weises, ich müsste es als das Lächeln des Toren wohl ansehen – also gehen Sie in sich und grinsen und plaudern Sie nicht mehr besinnungslos vor sich hin, wie eben eingangs Ihrer letzten, das Peinliche streifenden Wortmeldung um Täter und Opfer, dem jede Weisheit fremd ist.
Den Täter also ehren Sie und heben ihn zuungunsten des Opfers, das Sie eher diffamierend als einen subordinierten Schleimscheißer bezeichnen, der sich jedem Anspruch entzieht, jeder Zivilcourage auch, oder der sich als Wolf mit dem weißen Wollkleid des Opferlammes tarnt – den Täter also inaugurieren Sie, aber, Theaterdirektor Buurmann, Sie sollten doch sehr wohl wissen, dass auf der Bedeutungsebene dieses Wortes, als eine sprachliche Übereinkunft, der Täter mit einem ungesetzlichen, verbrecherischen Tun korreliert, dass der Begriff Täter eine pejorative Konnotation hat und mit dem Handelnden aus Pragmatismus, aufgrund einer ultima ratio oder anderer materialistischer Einsichten nicht gleichzusetzen ist. Also: si tacuisses …
Nun unterstelle ich aber, Sie wollen der Passivität des Opfers (ohne den Zwang dazu irgend in Rechnung zu stellen) den Macher, einen Prometheus also und keinen Prokrustes, gegenüberstellen. Nach Beseitigung Ihrer sprachlichen Schluderei werfen Sie, Theaterdirektor Buurmann, hier aber ein philosophisch-ethisches Problem auf und halten es, nachdem Sie den Hamlet strapaziert haben (der sich als Handelnder nun nicht gerade qualifiziert hat, der jedoch auch nie hätte ein Täter sein wollen – sic!), hier nun also lieber mit Goethe und dessen Faust – ich darf zitieren:
Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“
Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
ich muss es anders übersetzen,
wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile, dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh’ ich Rat
und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!
Das ist nun eine singuläre Meinung, verehrter Theaterdirektor Buurmann, nicht die schlechteste, nein, keineswegs, das hieße sich an Faust und Goethe zu verheben – aber es ist auch nicht die einzige Meinung, ergo: nicht die Wahrheit. Ich will den Diskurs hier nun nicht zu weit treiben, verweise Sie aber, Theaterdirektor Buurmann, auf die Texte, die Ihnen geläufig sein sollten, auf Schiller oder Shakespeare, auf Macbeth oder Wallenstein – da ist es gerade die Tat, die Täter macht und einem ursprünglich integeren Menschen problematisch dann ist – des Wallensteins Monolog im 1.Aufzug, 4.Szene will ich jetzt doch in Ihr Gedächtnis prägen:
„Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte?
Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt?
Ich müßte Die That vollbringen, weil ich sie gedacht?
Beim großen Gott des Himmels! Es war nicht mein Ernst,
beschloßne Sache war es nie. In dem Gedanken bloß gefiel es mir!“
Und, Theaterdirektor Buurmann, gestanden Sie mir nicht gerade, dass sie den Drucker zu reparieren tatkräftig geworden seien, ihn aufgeschraubt hätten, dass dieses Gerät nun aber zum Sperrmüll gehöre?!
Doch vom Täter nun zum Opfer: Da schreiben Sie mir, dass ich nach meinem mea culpa das Opfer Ihrer Aggression geworden sei! Lieber Theaterdirektor: Ich habe mich höchstens als das Opfer meiner eigenen Aggression beschrieben, eigentlich aber schrieb ich voller Empathie, dass es mir leid tut, Sie zu meinem Opfer gemacht zu haben.
Sie drehen das nun einfach um 180 Grad zu Ihrem Wohlgefallen und fühlen sich noch wohl dabei?!
Sie fahren eine aufgrund dieser Fälschung billige Retourkutsche und machen mich nun mit einer recht eigenwilligen Analogie zum Nazi! Freund, Ihnen jetzt zu vergeben, fällt schwer.
Sie verunglimpfen, indem Sie Opfer nur im angemaßten Opfergefühl der Nazis gelten lassen, die rechtlos Hingerichteten, die der brutalen Macht Unterlegenen, die Opfer der Kriege und auch der Gaskammern in Ausschwitz …
Theaterdirektor Buurmann, Sie sollten denken und dann handeln oder schreiben oder inszenieren, aber solange dieses Nachdenkliche in Ihnen mir ein Desiderat ist will ich Ihnen trotzalledem zur Seite stehen – denn wenn Sie sich nicht an mir zu reiben suchen oder als Dramaturg Ihr Fiasko erleben, wenn Sie sich hingegen in historischer und auch politischer Analyse bescheiden, scheinen Sie doch ein aufrechter und zur Kritik fähiger Charakter. Dem Dramaturgen respektive Dramatiker aber sei gesagt, dass sein zur Zeit aktuelles Stück wohl voller Sand, doch noch nicht voller Gehalt sei.
An Ihrer Seite bleibend verbleibe ich also
Ihr, Ihnen immer wieder zum rechten Gedanken verhelfender,
Schmiester
PS: Zu einem Ihrer post scripten sei gesagt, dass ich Ihnen ein Praeputium gar nicht zugetraut habe, dass ich Sie unten so unbedeckt gehalten habe, wie oben. Mein Fehler, zugegeben, da ich den Text wohl zu biographisch gelesen habe; aber es drängte sich mir zwischen Skrotum und Praeputium so auf …
ach ja, Theaterdirektor Buurmann,
Schweigen (übrigens ein hochinteressanter Film von einem Ihnen wohl nicht bekannten Ingmar Bergman in einer Ihnen sicherlich fremden, also fernen Thematik und Ästhetik), das Schweigen also (Ihnen offensichtlich nur in dem abgedroschenen Hamlet-Zitat geläufig) wäre eine Tugend gewesen, zu der Sie sich längst schon, in Andacht und Verehrung, in Staunen und Ehrfurcht, meinen wenn auch noch so kritischen und gelegentlich mit Aplomb formulierten Zuwendungen gegenüber hätten hinreißen lassen sollen. „Si tacuisses“, heißt es ja, und ich will es Ihnen (sind Sie nach eigenem Eingeständnis doch höchstens einiger Brocken des Arabischen mächtig), auf gut Deutsch wiedergeben: „Wenn du geschwiegen hättest, wärest du ein Philosoph geblieben.“ – Nein, Theaterdirektor Buurmann, lächeln sie jetzt nicht, es wäre mir nicht ein weises, ich müsste es als das Lächeln des Toren wohl ansehen – also gehen Sie in sich und grinsen und plaudern Sie nicht mehr besinnungslos vor sich hin, wie eben eingangs Ihrer letzten, das Peinliche streifenden Wortmeldung um Täter und Opfer, dem jede Weisheit fremd ist.
Den Täter also ehren Sie und heben ihn zuungunsten des Opfers, das Sie eher diffamierend als einen subordinierten Schleimscheißer bezeichnen, der sich jedem Anspruch entzieht, jeder Zivilcourage auch, oder der sich als Wolf mit dem weißen Wollkleid des Opferlammes tarnt – den Täter also inaugurieren Sie, aber, Theaterdirektor Buurmann, Sie sollten doch sehr wohl wissen, dass auf der Bedeutungsebene dieses Wortes, als eine sprachliche Übereinkunft, der Täter mit einem ungesetzlichen, verbrecherischen Tun korreliert, dass der Begriff Täter eine pejorative Konnotation hat und mit dem Handelnden aus Pragmatismus, aufgrund einer ultima ratio oder anderer materialistischer Einsichten nicht gleichzusetzen ist. Also: si tacuisses …
Nun unterstelle ich aber, Sie wollen der Passivität des Opfers (ohne den Zwang dazu irgend in Rechnung zu stellen) den Macher, einen Prometheus also und keinen Prokrustes, gegenüberstellen. Nach Beseitigung Ihrer sprachlichen Schluderei werfen Sie, Theaterdirektor Buurmann, hier aber ein philosophisch-ethisches Problem auf und halten es, nachdem Sie den Hamlet strapaziert haben (der sich als Handelnder nun nicht gerade qualifiziert hat, der jedoch auch nie hätte ein Täter sein wollen – sic!), hier nun also lieber mit Goethe und dessen Faust – ich darf zitieren:
Geschrieben steht: „Im Anfang war das Wort!“
Hier stock’ ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen,
ich muss es anders übersetzen,
wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile, dass deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
schon warnt mich was, dass ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh’ ich Rat
und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!
Das ist nun eine singuläre Meinung, verehrter Theaterdirektor Buurmann, nicht die schlechteste, nein, keineswegs, das hieße sich an Faust und Goethe zu verheben – aber es ist auch nicht die einzige Meinung, ergo: nicht die Wahrheit. Ich will den Diskurs hier nun nicht zu weit treiben, verweise Sie aber, Theaterdirektor Buurmann, auf die Texte, die Ihnen geläufig sein sollten, auf Schiller oder Shakespeare, auf Macbeth oder Wallenstein – da ist es gerade die Tat, die Täter macht und einem ursprünglich integeren Menschen problematisch dann ist – des Wallensteins Monolog im 1.Aufzug, 4.Szene will ich jetzt doch in Ihr Gedächtnis prägen:
„Wär's möglich? Könnt' ich nicht mehr, wie ich wollte?
Nicht mehr zurück, wie mir's beliebt?
Ich müßte Die That vollbringen, weil ich sie gedacht?
Beim großen Gott des Himmels! Es war nicht mein Ernst,
beschloßne Sache war es nie. In dem Gedanken bloß gefiel es mir!“
Und, Theaterdirektor Buurmann, gestanden Sie mir nicht gerade, dass sie den Drucker zu reparieren tatkräftig geworden seien, ihn aufgeschraubt hätten, dass dieses Gerät nun aber zum Sperrmüll gehöre?!
Doch vom Täter nun zum Opfer: Da schreiben Sie mir, dass ich nach meinem mea culpa das Opfer Ihrer Aggression geworden sei! Lieber Theaterdirektor: Ich habe mich höchstens als das Opfer meiner eigenen Aggression beschrieben, eigentlich aber schrieb ich voller Empathie, dass es mir leid tut, Sie zu meinem Opfer gemacht zu haben.
Sie drehen das nun einfach um 180 Grad zu Ihrem Wohlgefallen und fühlen sich noch wohl dabei?!
Sie fahren eine aufgrund dieser Fälschung billige Retourkutsche und machen mich nun mit einer recht eigenwilligen Analogie zum Nazi! Freund, Ihnen jetzt zu vergeben, fällt schwer.
Sie verunglimpfen, indem Sie Opfer nur im angemaßten Opfergefühl der Nazis gelten lassen, die rechtlos Hingerichteten, die der brutalen Macht Unterlegenen, die Opfer der Kriege und auch der Gaskammern in Ausschwitz …
Theaterdirektor Buurmann, Sie sollten denken und dann handeln oder schreiben oder inszenieren, aber solange dieses Nachdenkliche in Ihnen mir ein Desiderat ist will ich Ihnen trotzalledem zur Seite stehen – denn wenn Sie sich nicht an mir zu reiben suchen oder als Dramaturg Ihr Fiasko erleben, wenn Sie sich hingegen in historischer und auch politischer Analyse bescheiden, scheinen Sie doch ein aufrechter und zur Kritik fähiger Charakter. Dem Dramaturgen respektive Dramatiker aber sei gesagt, dass sein zur Zeit aktuelles Stück wohl voller Sand, doch noch nicht voller Gehalt sei.
An Ihrer Seite bleibend verbleibe ich also
Ihr, Ihnen immer wieder zum rechten Gedanken verhelfender,
Schmiester
PS: Zu einem Ihrer post scripten sei gesagt, dass ich Ihnen ein Praeputium gar nicht zugetraut habe, dass ich Sie unten so unbedeckt gehalten habe, wie oben. Mein Fehler, zugegeben, da ich den Text wohl zu biographisch gelesen habe; aber es drängte sich mir zwischen Skrotum und Praeputium so auf …
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